25.2.06

Verlässlichkeit

Heute habe ich einen Freund angerufen, während er in der Stadt war, um mich mit ihm in einem Café zu treffen. Um 15 Uhr sagte er von sich aus, er melde sich innerhalb der nächsten zwei Stunden, um sich mit mir zu treffen, sobald er eingekauft habe.
Nach drei Stunden rufe ich ihn an, um nachzufragen, wie es mit unserem Treffen aussehe: "Ja, ach, ich bin zu Hause, weil wir Tiefgekühltes eingekauft haben und dann haben wir gleich zu Abend gegessen und wollte Dich grade anrufen, um Dich jetzt in der Stadt zu treffen."

Seit längerem schon beobachte ich in meinem Freundes-/Bekanntenkreis, dass mit der Verfügbarkeit eines Handys die Verlässlichkeit auf denjenigen - in Bezug auf das Einhalten von Terminen - rapide nachlässt. Es scheint so, als wenn jemand, der ein Handy hat, unmittelbar auch unverlässlicher würde.

Terminvereinbarungen verkommen bestenfalls zu unverbindlichen Treffzeitpunkten, die dann per Handy fünf Minuten nacher verschoben oder abgesagt werden. "Ja warum bist Du denn sauer, ich habe Dir doch Bescheid gesagt."

Und weil wir gerade dabei sind: Jeder Mensch, den ich kenne, unterbricht ein laufendes Gespräch nicht, wenn jemand dazukommt, oder zumindest nur kurz, um dem anderen zu sagen, dass er ruhig warten könne. Anders, wenn derjenige angerufen wird. Sobald das Handy klingelt, wird es hektisch, ja fast sklavisch, rausgekramt, das Gespräch angenommen und damit das bestehende unterbrochen oder gar aprupt beendet. Dankbar, dass der nervige Klingelton endlich aufhört, hört man dann fast nie, dass derzeit keine Zeit für ihn sei, was ich ja noch einsehen würde, sondern ein minutenlanges Gespräch, an dessen Ende beide Handy-Enden wissen, wo sich der andere gerade befindet (was doch, seien wir ehrlich, meistens vollkommen unerheblich ist) und/oder einen unverbindlichen Treffzeitpunkt (siehe oben) ausgemacht haben.

Das beste kommt dann aber, wenn man das vorherige Gespräch wieder aufnimmt - das Telefon wurde inzwischen wieder weggesteckt und die unwesentlichen Fakten weiterkommuniziert "Das war der XXX, der ist grade im Herrengarten und geht spazieren.", da klingelt das Ding schon wieder. Sklavisch etc. - am Ende das Telefon am noch heissen Ohr, stellt man dann als Beobachter fest, dass das justament dieselbe Person gleich nochmal ist, welche den unverbindlichen Treffzeitpunkt gleich mal wieder unverbindlich irgendwohin verschiebt.

Aus obigen Gründen erwäge ich, rund um Treffzeitpunkte (so 15 Minuten vor- und nachher) das Handy auszuschalten und während Gesprächen ignoriere ich es sowieso.

1 Comments:

At 18:20, Anonymous Torsten said...

Hm, Du hast Recht. Aber wir haben auch am letzten Samstag auf Dich gewartet. Und das schon zum zweiten Mal... ;-)

 

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home