25.1.05

Gedanken zu Sprache

Sprache ist ja nicht gerade einfach. Es gibt da zum Beispiel im Deutschen Worte ohne Gegenwart. Also Verben, die nur die Vergangenheitsform kennen. Wie zum Beispiel "verschollen". Er ist verschollen. Aber irgendwie ist das ursprüngliche Verb "verschellen" verloren gegangen. "Tut mir leid, ich verschelle gerade.." gibt es nicht.
Das erscheint auf den ersten Blick absolut logisch und natürlich, Halb-Schwanger gibt es ja auch nicht. Aber jetzt halte ich dagegen: Geläufig sagt manch einer "Ich fühle mich ein bisschen krank." Ja wie nun? Man kann ein bisschen krank sein? Ich denke man ist entweder krank, oder gesund?
Kann man überhaupt ein bisschen verschellen? Sprich gibt es einen Zustand, in dem man noch nicht vollkommen verschollen ist, sondern nur ein bisschen, also eine Art "Übergangszustand"? Ich denke "ja". Es gibt einen gewissen Zeitbereich, in dem eine Person schon weg ist, jedoch ich, als zurückbleibender, annehme, zu wissen, wo sich die Person befindet. Diese Gewissheit kann durchaus sein, dass ich annehme, dass die Person in "Sicherheit" ist. Nach einer Zeit schwindet die Gewissheit und weicht dem Gefühl, dass die andere Person verschollen ist. (Lustig hierbei ist, dass die Person, die "verschillt" durchaus früher, später oder gar nicht das Gefühl des "Verschollen-Seins" hat, als die, die jemanden vermissen.)
Scheinbar ist unsere Sprache der Wiederspiegelung tatsächlicher Gegebenheiten nicht vollkommen fähig, sondern sie gibt immer nur ein Ideal an, dass dem derzeitigen Zustand aus unserer Sicht am Nächsten kommt (Subjektivität). Manchmal gibt es dann Grenzfälle, in denen die tatsächliche Gegebenheit in der "Mitte" zwischen zwei solchen Zuständen liegt. Dann werden wir kreativ und mischen uns eine Wortsuppe zusammen und sind halb krank oder schon ein bisschen gesünder.

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